• Sandra Megtert

Mit Corona kam die erste lebendig-digitale Magazin-Ausgabe

Ein Interview mit Susanne Petry, PIER F, Sozialunternehmerin im Bereich Nachhaltigkeit, Frankfurt am Main


Eine Vision zu haben, gehört zur Natur einer Architektin. Kein Wunder, dass Susanne Petry (53) auch vor zehn Jahren als Vorreiterin unterwegs war, als sie die Tätigkeit als Planerin aufgab und ihre Leidenschaft für Nachhaltigkeitsthemen zu ihrem neuen Beruf machte.

Seitdem ist die Sozialunternehmerin als Kommunikatorin, Veranstalterin und Networkerin in Sachen grüne (Bau-)Kultur aktiv. Sie betreibt nicht nur eine Büro-gemeinschaft, sondern auch die Kommunikations-plattform AiD – Architektur im Dialog und das Nachhaltigkeitszentrum PIER F – Zukunftshafen Frankfurt. In diesem Rahmen veranstaltet sie Stadtführungen, Vorträge, Seminare und Workshops und berät mit einem Expertennetzwerk Unternehmen zu Nachhaltigkeitsthemen. Da sie hauptsächlich von Events und Kooperationen lebt, hat ihr die Corona-Pandemie ihre Umsatzgrundlage völlig entzogen. Sie musste umdenken, und so entstand unter anderem die Idee, ihr Magazin PIER F zu transformieren: in die erste lebendig-digitale Ausgabe, die am 11. Dezember 2020 gelauncht wurde: https://pier-f.de/pier-feuilleton/


Was waren Ihre größten Herausforderungen seit der Corona-Pandemie?


Vorträge und Get-togethers, Workshops oder die beliebten KLIMAtours, also unsere Fachführungen zu energieeffizienten Gebäuden in Frankfurt – das alles funktionierte mit Beginn der Corona-Pandemie überhaupt nicht mehr. Gleichzeitig legten einige Herstellerfirmen, deren nachhaltige Lösungen ich präsentierte, ihre Partnerschaften auf Eis. Damit tendierten meine Einnahmen und Umsätze innerhalb kürzester Zeit gegen null. Das war ein Riesenschock. Darüber hinaus sorgte ich mich um meine Bürogemeinschaft, für die ich als Hauptmieterin und Koordinatorin verantwortlich war und bin. Sie musste natürlich weiterlaufen.


Unglücklich war ich, weil ausgerechnet 2020 ein wichtiges Jubiläumsjahr für mich war. Meine Plattform AiD samt KLIMAtours wurden zehn Jahre alt, und mein Nachhaltigkeitszentrum PIER F gibt es 2020 schon fünf Jahre. Das wollte ich nicht nur mit einer Jubiläumsausgabe unseres Printmagazins PIER F, sondern auch mit einigen Sonderveranstaltungen und neuen Veranstaltungsformaten feiern: um meine bisherige Arbeit nochmals zu präsentieren und um Aufträge für 2021 zu akquirieren. Zusätzlich hatte sich noch ein prestigeträchtiges Ausnahmeprojekt angebahnt: Gemeinsam mit Praxispartnern aus dem PIER-F-Netzwerk hatte ich die Chance, ein Leerstandgebäude in einem Industriegebiet modellhaft nachhaltig zu transformieren und für Kreative nutzbar zu machen. Doch mit Corona lösten sich all diese Vorhaben kurzerhand in Luft auf.

Die größten Herausforderungen waren also, Ruhe zu bewahren, die Lage realistisch einzuschätzen und Mittel und Wege zu finden, um die nächsten Monate zu überbrücken. Den Mut nicht verlieren. Andere Erlösquellen finden. Neues denken: Das waren die zwingenden Aufgaben.


Wie haben Sie darauf reagiert?


Ich habe eine einmalige Soforthilfe der Bundesregierung beantragt und erhalten. Dann führte ich Gespräche mit meinem Gewerbevermieter, und auch er kam mir coronabedingt entgegen. Dafür bin ich sehr dankbar. Die immer häufiger stattfindenden Online-Meetings boten nicht nur eine tolle Möglichkeit, mit meinem Netzwerk in Kontakt zu bleiben – sie eröffneten mir auch Wege der Weiterbildung zu nützlichen Themen, von unkonventionellen Marketingmaßnahmen bis hin zu Digitalisierungsstrategien.


Als überaus hilfreich erwies sich auch das jumpp-Programm „Shape your future“ – ein Programm zur Stabilisierung junger Unternehmen, speziell für Frauen. Ich war erst Anfang 2020 eingestiegen, dann kam auch schon gleich Corona. Von Stabilisierung konnte da keine Rede mehr sein – plötzlich ging es ums bloße Überleben. Und um Wege, sich neu zu erfinden. „Shape your Future“, der Slogan hatte über Nacht eine neue Bedeutung gewonnen. Die Projektleiterin und die Erfolgsteams mit den anderen Teilnehmerinnen halfen mir sehr, meine neuen Ideen zu konkretisieren und entschlossen anzugehen.


Digitalisierung war auch hier das Schlüsselwort. Meine Jubiläen und das PIER-F-Magazin digital realisieren – das war tatsächlich machbar! Und nicht nur das: Mit einem digitalen Jubiläumsmagazin konnte man auch ganz neue Wege gehen. Ich wusste sofort, dass es kein statisches Magazin zum Anschauen werden sollte, sondern ein lebendiges Magazin, in dem man buchstäblich blättern kann. In dem man Videos und Podcasts anklickt und Animationen den Lesespaß erhöhen. Womöglich noch barrierefrei. Der Gedanke: Mit einem innovativen Netzwerk-Magazin rund um das Thema Nachhaltigkeit, in dem ich einerseits meine eigene Arbeit präsentiere und Partner an mich binde, andererseits über spannende Zukunftsthemen berichte, kann ich mir eine eigene geschäftliche Nische erschließen und diese zukünftig ausbauen.


Tatsächlich gingen bereits für die erste Ausgabe, die seit 11. Dezember online ist, kleine finanzielle Beiträge aus dem (Partner-)Netzwerk ein. Das zeigt mir: Das Konzept ist ausbaufähig. Meine bisherigen Aktivitäten würde ich natürlich gern weiterführen. Doch mit der Teilwandlung zu einer digitalen Kommunikationsagentur, die das neue Onlinemagazin eröffnet, hat sich eine neue Perspektive ergeben. Eine, die im Notfall vielleicht auch alleine trägt.


Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?


Ganz konkret geht es um den Vertrieb und die Bewerbung des neuen PIER-F-Digitalmagazins. Hier plane ich im Januar unter anderem eine Social-Media-Kampagne – und freue mich, dass ich auch Aufmerksamkeit über das jumpp-Netzwerk erhalte. Für 2021 sind zwei weitere Ausgaben angedacht. Daneben habe ich einige Veranstaltungen in der analogen Welt geplant, sogar schon mit festen Terminen.


Langfristig würde ich gern eine Kunstausstellung zum Thema Nachhaltigkeit realisieren und an wechselnden Orten präsentieren. Auch das Thema genossenschaftliches Wohnen und Mehrgenerationenhäuser ist mir ein Anliegen. Zu guter Letzt würde ich gern wieder einen grünen Showroom haben – eine wunderbare Möglichkeit, innovative Lösungen von Herstellern für ein Fachpublikum zu präsentieren. Von daher bin ich ständig auch auf der Suche nach geeigneten Flächen – oder nach Partnern, in deren Räumlichkeiten sich mein Showroom-Konzept integrieren lässt.

Alles nach dem Motto: Mit voller Kraft in eine grüne Zukunft.



Link zum Magazin: https://pier-f.de/pier-feuilleton/

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Das Projekt „Shape (y)our future“ wird durch die JPMorgan Chase Foundation sowie das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen gefördert.